Am falschen Platz
Frauen können nicht einparken und haben keinen Platz im Kopf für Mathematik und Technik, weil sich dort ein riesiger Schuhschrank befindet. Soweit das Klischee. Dass diese Mär nicht ultimativ gilt, dürfte jedem einigermaßen vernunftbegabten Menschen klar sein. Und doch hält sie sich hartnäckig. Und warum? Weil Frauen nicht selten selbst Öl ins Feuer gießen. So gesehen bei einer Ausgabe der Frauenzeitschrift GLAMOUR.
Ja, ich mag die GLAMOUR… ein wenig. Als Inspiration oder – bei den Preisen – auch nur zum schwärmen. Da in diesem Bilderbuch im XXS-Format die Frauen-Freizeitbeschäftigungen schlechthin (Shoppen, Make-Up, Dekorieren) bis zur Privatinsolvenz zelebriert werden, kann ich es gut verschmerzen, dass so kein Platz mehr für weniger weibliche Hobbys wie Zocken und Technik bleibt.
Doch in einer Ausgabe aus dem letzten Monat erblicken meine Augen nach 100 Seiten Farbenrausch ein paar gute, alte Bekannte in schwarz, weiß und silber: „Wir spielen mit“ heißt es auf einer Doppelseite plötzlich und ich traue meinen Augen kaum als ich alle aktuellen Konsolen und Handhelds aufgelistet sehe.
Weiter heißt es „Kann sein, dass Ihr Freund demnächst eifersüchtig wird. Die neuen Games und Konsolen machen nämlich auch Frauen ziemlich viel Spaß – zu jeder Gelegenheit.“ Ich bin nicht allein! rufe ich innerlich aus und fange an zu lesen (was mir bei der GLAMOUR eher selten passiert) nur um zwei Sekunden später ernüchternd feststellen zu müssen: Frauen werden hier von ihren Artgenossinen für dumm verkauft.
Missverstanden
Wer sich schon immer im Media Markt den Kopf daran zerbrochen hat wozu er eigentlich eine PlayStation 3 mit 80GB Festplatte und Blu-Ray Player braucht, bekommt hier endlich eine erlösende Antwort: na für Singstar!
Welche Frau hat nicht darauf gewartet 400 Euro auszugeben um mit ihren Freundinnen ein paar Flaschen Sekt zu leeren um dann wie ein DSDS-Kandidat – vernunft- und talentfrei – Britney Spears’ Hits nachzuträllern.
Die meistverkaufte Konsole aller Zeiten, die PlayStation 2, hat ihren Erfolg mit Sicherheit auch nur all den schlankheits-wütigen Frauen zu verdanken, die sich keinen Personal Trainer leisten konnten, dafür aber eine PS 2 um sich mit Hilfe von EyeToy Kinetic Total Fitness auch weiterhin in ihre Röhrejeans in Kindergröße zwängen zu können. Weiterer Missbrauch wird auch an der Xbox 360 mit Scene it? begangen. Und natürlich darf Wii Fit und der Kochkurs für den DS Lite nicht fehlen.
Dieses plötzliche Interesse an Technik findet allerdings ihren Höhepunkt mit dem hier vorgeschlagenen Laptop von Sony im Wert von 1700€. Denn wo kumulieren weibliche Allmachtsfantasien über Liebe, Luxus und Inneneinrichtung stärker als bei Sims 2 -IKEA?
Selbstverschuldete Unmündigkeit
Ich verurteile hier nicht die vorgestellte Software, die offensichtlich eine durch und durch weibliche Zielgruppe anspricht. Nein, ich verurteile die Art wie diese grandiose Generation der digitalen Unterhaltung dazu missbraucht wird um eindeutig weiblich konnotierte Aktivitäten etwas glamouröser und für Männer sexier erscheinen zu lassen, die schlussendlich doch nur die bekannten Klischees bedienen.
Die Frau landet hier eindeutig ein Eigentor und der Lebensabschnittgefährte findet es höhstens süß, wenn sie ihn dann verzweifelt um Hilfe bittet weil ihre brandneu eingerichtete Sim-Wohnung durch einen Absturz verloren gegangen ist.
Ich finde es toll, wenn andere Frauen sich mit einstiegsfreundlicher Software an das Thema Games und Konsolen antasten. Daraus muss auch nicht die große Liebe entstehen und keine CS-Clans gegründet werden. Wenn aber einer Redaktion, die sich um ein selbstbewusstes Frauenbild bemüht, im Zusammenhang mit Technik nichts besseres einfällt als Kochen, „Klappsta“ und Karaoke, dann sind wir Frauen wohl selbst schuld wenn sich dadurch negative Klischees so leicht aufrecht erhalten lassen.
Das Bild neben der Überschirft zeigt übrigens ein blondes Model in Bademantel und Dessous, das auf einen Braten im Backofen schaut. Herzlichen Glückwunsch, GLAMOUR, für diese unheimlich passende Bildauswahl.
Denn sie wussten nicht, was sie taten…
Verfasst von Maggi 
